Dies ist ein kleiner Ausflug in die Oberkircher Vergangenheit.
Teilweise vergessen und aus den Köpfen der Oberkircher verschwunden. Nur noch die älteren Einwohner können sich an den folgenden Teil der Oberkircher Bergbaugeschichte erinnern:
Fluorit (Calciumfluorid) ist auch unter dem Namen Flußspat bekannt. Der Name geht zurück auf die Verwendung dieses Minerals in der Metallverarbeitung. Es wird u.a. als Flussmittel eingesetzt. Flußspat wird allerdings auch zur Herstellung von optischen Gläsern und als Schmuckstein verwendet. Neuerdings hat Flußspat auch im Wellness-Bereich Einzug gefunden. Verwendet als sogenannte „Wassersteine“ soll es bei bestimmten Beschwerden Linderung verschaffen. Dazu werden Flußspat-Kristalle z.B. mit Sonnenlicht „aufgeladen“ und geben ihre Energie dann an Trinkwasser ab, in welches die Kristalle gelegt werden müssen.
Nun aber zur eigentlichen Geschichte:
Bereits 1896 wurden mit einem Grundstücksbesitzer in einem Oberkircher Teilort Gespräche geführt, um auf dessen Gelände nach Flußspat zu schürfen. 1899 wurde dann eine Grube mit ca. 8 Mann in Betrieb genommen. Der erste Stollen war 1901 bereits 58 m lang. 1908 gab es dann bereits schon einen zweiten Stollen.
Der „untere Stollen“ hatte eine Länge von 145 m, der „obere“ war 115 m lang.
1909 waren 14 Mann und ein Steiger beschäftigt. Die Qualität des Spats war außerordentlich gut. Für die Förderung des Spats wurde einiges an Wasser benötigt. 1911 wurde aufgrund der Menge des anfallenden Schmutzwassers eine Kläranlage aufgebaut.
Die folgenden Jahre waren bedingt durch die Weltkriege von Arbeitermangel gekennzeichnet. Auch die Förderergebnisse waren unzufriedenstellend. Erst 1943 fand sich wieder ein abbauwürdiges Vorkommen von Flußspat. 1945 wurde die Grube durch die französische Armee besetzt und großteils abgebaut. Trotzdem wurde 1947 ein neues Kompressorenhaus (s. Bild) erbaut.

Aufgrund mangelnder Förderergebnisse wurde 1948 mit Hilfe eines Wünschelrutengängers versucht, weitere Lagerstätten ausfindig zu machen. Es wurden dann aufgrund der Wünschelruten- Ergebnisse umfangreiche Grabungen angestellt. Die versprochenen Vorkommen wurden allerdings nicht gefunden.
1949 waren 32 Arbeiter und 3 Angestellte beschäftigt. 1959 wurde eine Absauganlage für das Mahlwerk und, aufgrund der Einstellung weiblicher Arbeiterinnen, getrennte Toiletten und Umkleiden gebaut. Bis 1950 wurde das Material noch mit Hilfe von Schubkarren aus den Stollen gefahren. Erst danach wurden „gleisgebundene“ Fördermittel eingesetzt (s. Bild).

Das gewonnene Mineral wurde nach der Aufbereitung und Wäsche per LKW zum Bahnhof in Oberkirch transportiert, wo es dann auf die Bahn verladen wurde.
1950 waren 50 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Die Förderung stieg auf 1200 t im Monat.
Am 23. Juni 1951 verunglückte ein Arbeiter tödlich. Er wurde in einem Stollen von mehreren Tonnen herabbrechendem Gestein verschüttet.
1952 wurde eine neue Setzwäsche in Betrieb genommen (s. Bild). Hier wurde das schwerere Gestein von dem leichterem getrennt und der Spat gewaschen.
Bis 1956 wurden die Fördermengen immer geringer. 1957 wurde die Anlage unter Zwangsverwaltung gestellt und 1958 von einer großen Bergwerksgesellschaft aus Pforzheim übernommen. Die Ausrüstung wurde demontiert und 1959 wurde die Grube offiziell als geschlossen erklärt. Die Verfüllarbeiten der Stollen hingegen dauerten noch bis 1964 an. Die Stollen wurden gesprengt bzw. zugeschüttet.
Während der aktiven Zeit wurde von den umliegenden Bauern ein Schnaps gebrannt, auf dessen Etikett das Mundloch der Grube mit Blick auf Oberkirch abgebildet war.
Dieses edle Wässerchen wurde unter dem Namen „Spatwasser“ vermarktet.
Heute befindet sich auf Teilen des Geländes ein Tiergehege. Auf den alten Grundmauern stehen heute teilweise Stall- und Wohngebäude.
Abgebildet sieht man hier aktuell ein noch offenes Mundloch. Der Stollen ist noch begehbar und das Wasser im Stollen wurde noch bis vor wenigen Jahren für ein in direkter Nachbarschaft stattfindendes Dorffest verwendet.


Falls Ihr wissen wollt wo sich das Spatwerk befunden hat, folgt dem folgenden Link.
Die entsprechende Musik könnt Ihr dann dort starten.
Der Link führt zu einer interaktiven Webseite, die nicht für mobile Endgeräte programmiert wurde.
Hinweis: Bitte die Stollen nicht begehen. Das Gelände ist komplett in Privatbesitz. Die gezeigten Bilder stammen auch komplett aus Privatbesitz und eine Vervielfältigung, Verteilung oder Nutzung jeglicher Art bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Owners. Falls Namen von auf den Bildern dargestellten Personen bekannt sind, bitte melden.